Rudern gilt als eine der ganzheitlichsten Sportarten überhaupt: Es trainiert Kraft und Ausdauer, fordert Technik und Koordination und bietet gleichzeitig ein intensives Naturerlebnis. Wer mit dem Gedanken spielt, diesen Sport zu beginnen, sei es im Verein, auf einem ruhig gelegenen See oder sogar auf dem Ergometer zu Hause, steht schnell vor der Frage: Welche Erstausstattung brauche ich wirklich?

In vielen Ratgebertexten liest man lange Listen von Dingen, die man angeblich kaufen soll. Die gute Nachricht: Rudern ist, verglichen mit vielen anderen Wassersportarten, überraschend minimalistischer, wenn man die Grundlagen versteht. In diesem Artikel zeige ich dir, was wirklich notwendig ist, was „nice to have“ ist und wovon du anfangs lieber die Finger lassen solltest.

Die Grundlagen: Was ist Rudern? 

Bevor wir uns mit der Ausrüstung befassen, ist es hilfreich, ein wenig über den Rudersport selbst zu wissen. Rudern ist eine Sportart, bei der Athleten ein Boot auf dem Wasser vorwärts bewegen, indem sie mit Riemen oder Skulls (Rudern) das Wasser durchziehen. Es gibt unterschiedliche Arten des Ruderens: Einer, Zweier, Vierer, Achter – allesamt unterscheiden sich in der Anzahl der Ruderer und der Boote. Auch die Art des Ruderbootes kann variieren, je nach disziplinarischen Anforderungen und dem Einsatzzweck.

Für Einsteiger ist es am besten, sich zunächst auf das sogenannte "Ergometer-Rudern" oder auf das Rudern in einem einfachen Boot zu konzentrieren.
Die Ausstattungen, die du hierfür benötigst, sind in der Regel nicht allzu unterschiedlich. Die Wahl der richtigen Ausrüstung ist der Schlüssel zu einem angenehmen Einstieg und einer sicheren sowie effizienten Rudertechnik.

Warum Rudern der Sport ist, der dein Leben verändern kann

Rudern ist ein leiser Sport und genau darin liegt seine Kraft. Keine lauten Hallen, keine überfüllten Studios, keine Egos. Nur Wasser, Rhythmus und der Moment,
in dem du spürst: Du bewegst nicht nur das Boot, du bewegst dich selbst.

Beim Rudern verschwindet der Alltag automatisch.
Der gleichmäßige Rhythmus, das Plätschern der Skulls, die frische Luft – all das wirkt wie ein natürlicher Reset-Knopf.

Rudern ist meditativ, aber gleichzeitig ein kompletter Ganzkörper-Workout.
Du tust etwas für deinen Körper, ohne deinen Geist zu überfordern.
Perfekt nach einem stressigen Arbeitstag.

Erstausstattung - was Einsteiger wirklich nutzen

Die beruhigende Antwort gleich vorweg: Ein eigenes Boot brauchst du als Anfänger*in äußerst selten.

Warum?

  • Bootsanschaffung ist teuer

  • Materialpflege benötigt Erfahrung

  • Vereine bieten Boote für alle Erfahrungsstufen

Für den Start im Rudersport empfiehlt sich daher fast immer ein Ruderverein, der über stabile, anfängerfreundliche Boote verfügt – sogenannte Gig-Boote, die breiter, robuster und kippstabiler sind.

Wann ist der eigene Skiff sinnvoll?

Ein eigenes Boot lohnt sich erst dann, wenn du mindestens:

  • sicher im Einer fahren kannst

  • regelmäßig und technisch sauber trainierst

  • weißt, ob dir Breitensport oder Rennsport mehr liegt

Vorher riskierst du Fehlkäufe oder unnötige Kosten.
Für die Erstausstattung zählt das Boot also
nicht.

Die richtige Bekleidung

Das Grundprinzip: Nichts darf hängenbleiben

Rudern bedeutet ständige, wiederholte Bewegungen mit enger Bootsmechanik.
Weite Kleidung kann sich in Rollenbahnen, Sitzschienen oder am Rollsitz verfangen, das ist gefährlich und unangenehm.


Was du wirklich brauchst:

Eng anliegende Sportkleidung

  • Professionelle Einteiler oder Shorts mit Kurz- oder Langarm
  • Eng anliegendes Funktionsshirt
  • Idealerweise nahtarm, damit nichts scheuert

Ruder*innen tragen oft sogenannte Einteiler, aber das ist absolut kein Muss.
Ein normales Sportoutfit erfüllt denselben Zweck.

Schichtensystem für draußen

  • Atmungsaktive Base-Layer
  • Dünner Mid-Layer
  • Wind- und spritzwasserdichte Ruderjacke oder Gilet

Wasser, Wind und Temperaturwechsel machen ein gutes Layering wichtig.

Wärmeschutz für Kopf und Hände

Handschuhe sind ein Streitthema: Viele nutzen sie nicht, da sie die Grifftechnik verändern. Einsteigern können sie aber helfen, Blasen zu vermeiden.

Brauchst du nicht:

  • Neoprenanzug (unnötig)
  • Teure Funktionsmarken (nicht in der Startphase)

Schwimmweste (Ausnahme: Kinder & bestimmte Reviere →
Vereinsregeln beachten)

Ruderhandschuhe – ja oder nein?

Blasen gehören am Anfang fast dazu. Dein Körper gewöhnt sich aber schnell daran, und nach einigen Wochen werden die Hände robuster.

Ruderhandschuhe können anfangs sinnvoll sein, wenn:

  • du sehr empfindliche Haut hast

  • du auf kaltem Wasser trainierst

  • du anfällig für offene Stellen bist

Achte darauf, dass die Handschuhe dünn sind und nicht die Grifftechnik verfälschen. Fahrradhandschuhe eignen sich meistens nicht, da sie zu dick und schlecht griffig sind.

Schuhe beim Rudern – ein oft unterschätztes Thema

Im Boot werden die Füße in den integrierten Schuhen fixiert, die fest mit dem Stemmbrett verbunden sind.
Daher brauchst du
für das Boot selbst keine speziellen Schuhe.

Du benötigst lediglich:

  • Sportschuhe für das Hinbringen des Boots
  • eventuelle Wasserschuhe, wenn du bei Niedrigwasser ins Boot steigen musst

Mehr nicht.

Sicherheitsausrüstung – was sinnvoll ist

Was du wirklich benötigst – abhängig vom Revier

  • Personenfangleine / Wurfsack: nur im Wanderrudern üblich

  • Handy in wasserdichter Hülle: IMMER sinnvoll

  • Sichtbare Kleidung bei Dämmerung

  • Schwimmwestenpflicht in bestimmten Revieren oder bei Anfängern
    je nach Vereinsregel

Was Anfänger eher NICHT brauchen

  • Signalraketen oder Seenotfackeln (überdimensioniert für Ruderreviere)
  • aufwendige Funktechnik

Im Verein wird dir genau erklärt, was in deinem Gebiet Pflicht ist.


Training an Land – benötigst du ein Ergometer?

Viele Anfänger*innen denken, sie bräuchten sofort ein eigenes Ruderergometer.
Das stimmt nicht.

Warum ein eigenes Gerät nicht notwendig ist:

  • Vereine besitzen meist mehrere Ergos

  • Techniktraining auf dem Wasser ist wichtiger

  • Hochwertige Geräte wie das Concept2 sind teuer


Ein eigenes Ergometer lohnt sich nur, wenn du:

  • sehr regelmäßig trainierst

  • zuhause Platz dafür hast

  • langfristig ambitioniert rudern möchtest

Zubehör, das das Leben leichter macht

Hier kommen einige Gegenstände, die nicht zwingend notwendig sind, aber deinen Alltag als Ruderanfänger*in angenehmer gestalten.

Sinnvolles Zubehör

  • Wasserdichte Tasche für Handy & Schlüssel

  • Kleines Handtuch für Bootspflege

  • Trinkflasche (nicht während des Ruderns, aber davor/danach)

  • Sitzkissen/Seat Pad (optional, gut bei empfindlichem Steißbein)

  • Mini-Reparaturset (Tape, Pflaster, Blasenpflaster)

Nice to have

  • Mikrofasertuch für Bootsaußenhaut

  • Sonnenbrille mit Sicherungsband

  • Sportuhr (nur für ambitioniertes Training notwendig)

Die häufigsten Anfängerfehler bei der Ausrüstung

Damit du dir Zeit, Geld und Nerven sparst, hier die größten Fehlentscheidungen:

Zu teure Ausstattung kaufen

Viele lassen sich von Profi-Outfits inspirieren. Unnötig zu Beginn!

Zu weite Kleidung

Gefährlich! Sie kann sich verfangen.

Zu viel mitnehmen aufs Wasser

Rudern ist minimalistisch. Handy + ggf. Trinkwasser an Land reichen meist.

Eigene Skulls kaufen, bevor man verschiedene Modelle getestet hat

Jeder Ruderer entwickelt Vorlieben – warte damit.

Fazit – Was brauchst du WIRKLICH für den Start?

Wenn du diesen Artikel nur mit einem Gedanken verlassen sollst, dann mit diesem:

Für die Erstausstattung beim Rudern brauchst du weniger, als du denkst.

Unbedingt nötig sind nur:

  • Eng anliegende Sportkleidung

  • Eine winddichte Schicht tragen

  • Sportschuhe für den Steg

  • Handy in wasserdichter Hülle

  • Etwas Geduld für deine Hände und Technik

Alles andere kannst du mit der Zeit ergänzen, wenn du weißt, wohin dein Ruderweg führen soll, zum gemütlichen Freizeitsport,
zum ambitionierten Training oder vielleicht sogar zur Regatta.

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